Naturschutzbund schließt Angler aus – Volksinitiative Artenvielfalt ohne Fische?

By | 26/01/2021

Die drei großen nordrhein-westfälischen Naturschutzverbände Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Landesgemeinschaft Naturschutz und Umwelt (LNU) und der Naturschutzbund (NABU) starteten eine Initiative zur Umsetzung notwendiger Maßnahmen zum Erhalt der Artenvielfalt in NRW. Die Aktion soll von der breiten Masse der Bevölkerung gestützt werden und erhält den visionären Titel „Volksinitiative“.

Nach Auffassung des NABU Stadtverbands Hamm gehören neben Jägern und Landwirten jedoch Angler offenbar nicht zur Bevölkerung. Zumindest lässt dies ein jüngst in der FUgE-News veröffentlichter Artikel vermuten (Zeitschrift des Forums für Umwelt und gerechte Entwicklung e.V., Ausgabe 3/2020). Es wird der Eindruck erweckt, dass Fischen in der Betrachtung des NABU keine besonders große Rolle beigemessen wird.

In einem Artikel hat der NABU Hamm zum wiederholten Male die Aktivitäten der Angler an Angelstätten in Frage gestellt. Der Stadtverband plädiert dafür „Schutzgebiete wirksam zu schützen“ und „lebendige Gewässer und Auen zu schützen“. Insbesondere Vogelarten könnten sich nicht erfolgreich ansiedeln, weil zu viele Störfaktoren dies verhindern. Hierbei führt die Initiative auch die Angler als einen der Störfaktoren auf. Eine zu intensive Freizeitnutzung und die Art, wie das Angeln praktiziert wird, werden hier als Hauptgründe genannt. Des Weiteren gäbe es kaum Angelbeschränkungen. Naturschutzgebiete und ihre Verbote würden nicht beachtet werden und die Ansiedlung von Tieren sei gestört.

In dem Artikel wird in keinerlei Hinsicht Bezug auf Fakten genommen, welche diese Störungen und Gründe bekräftigen und belegen. Es stellt sich die Frage, woraus sich diese Argumentation ableitet? Woran wird die „zu intensive Angelei“ festgemacht und an welchen Orten und Plätzen liegen „genaue Problemfelder“?

Echte Nachweise, welche die Angelnutzung zweifelsfrei als Ursache erkennbar machen, bleiben aus. In gleicher Manier kann unterstellt werden, dass zu häufige Vogelbeobachtungen emsiger Ornithologen der Grund für erfolglose Ansiedelungsversuche von Vogelarten sind.

Wir Angler haben uns in der Vergangenheit immer wieder für die Artenvielfalt im Wasser und den Schutz der Natur eingesetzt. Projekte wurden geschaffen und Strukturveränderungen vorangetrieben. Beispielsweise werden Teiche, Seen und Flüsse jederzeit vom Müll befreit, welcher die Tiere schädigt – sowohl Vogel-, als auch Fischarten. Zudem wurde mit der vorangetriebenen Renaturierung der Lippe, den Strukturveränderungen und der Schaffung von naturnahen Uferabschnitten viele Meilensteine erreicht. Fischpässe wurden errichtet, um die Wanderung von Fischen sicherzustellen. Mit Wiederansiedelungsprojekten wurden ausgestorbene Fischarten wie die Quappe erfolgreich etabliert und es werden bedrohte Arten wie die Äsche im Bestand optimiert. Dazu werden in großen Anteilen finanzielle Mittel der Angel- und Fischereivereine sowie ihren Dachorganisationen eingesetzt.

Der NABU fordert weitere Angelbeschränkungen in den Schutzgebieten an Ahse und Lippe. Dabei sind diese seit Jahrzehnten vorhanden und werden von der Anglerschaft nicht in Frage gestellt. Folgt man der Argumentation des Naturschutzbundes müssten diese Strecken Vogelarten aufweisen, die an anderen, befischten Strecken fehlen. Weit gefehlt! Der Grund ist eindeutig: die hier unterstellte massive Wirkung der Angelnutzung findet schlicht nicht statt. Ein Blick auf die reale Nutzung hilft eine logische Erklärung zu finden: von den 1500 Mitgliedern des Sportfischervereins Hamm lösten im Jahr 2020 rund 1324 Mitglieder einen Fischereierlaubnisschein zur Beangelung der Lippe. Anhand der vorgeschriebenen Fangbücher ist belegt, dass die durchschnittliche Anzahl, die am selben Tag in der Lippeaue geangelt haben genau 3 Angler/-innen betrug. Im Maximum des Jahres waren dies 6 berechtigte Personen. Damit wird klar, dass der Störfaktor Angler nicht als Grund für das Ausbleiben von Vogelarten herangezogen werden kann. Wir verfügen über Zahlen und Statistiken, welche wir bereit sind, mit der Initiative zu besprechen, um kooperativ an Lösungen zu arbeiten und diese für alle Beteiligten zu schaffen – für die Natur und die Anglerschaft. Wir würden uns wünschen, dass diese Kooperation in Zukunft auf einen intensiven Austausch aufbauen kann.

Den NABU Stadtverband Hamm fordern wir auf, das ewige Mantra der naturzerstörenden Anglerschaft zu unterlassen! Vielmehr sollte die Fischerei als ein wichtiger und tatkräftiger Partner gesehen werden, dessen Fachwissen hilft, bedrohten Tierarten unserer Gewässer eine Zukunft zu geben – im Besten Sinne der Volksinitiative Artenschutz!

Petri Heil

Dirk Bergmeier
Vorsitzender des Sportfischervereins Hamm